murgtaelertkc - Bedeutung Murg

 

Murg
Murgbrücke bei Raumünzach

Murgbrücke bei Raumünzach

Daten
Gewässerkennzahl DE: 236
Lage Baden-Württemberg; Deutschland
Flusssystem Rhein
Abfluss über Rhein → Nordsee
Quellhöhe ca. 875 m
Mündung bei Rastatt in den Rhein
48° 55′ 9″ N, 8° 9′ 53″ O
Mündungshöhe ca. 110 m ü. NN
Höhenunterschied ca. 765 m
Länge 79,3 km
Einzugsgebiet 617 km²
Abflussmenge MQ: 18.44[1]

(Pegel Rotenfels, 70,2 % des Einzugsgebietes: 15,6 m³/s)

Rechte Nebenflüsse Forbach, Sasbach
Linke Nebenflüsse Tonbach, Schönmünz, Raumünzach, Oos (Nordarm)
Durchflossene Stauseen Stausee Kirschbaumwasen, Ausgleichsbecken Forbach
Mittelstädte Gaggenau, Rastatt
Kleinstädte Gernsbach
Gemeinden Baiersbronn, Forbach
Einwohner im Einzugsgebiet 178.850
Bekannte Brücken Holzbrücke Forbach
Das mittlere Murgtal bei Forbach
Alte Holzbrücke in Forbach
Tennetschluchtbrücke zwischen den Forbacher Ortsteilen Langenbrand und Gausbach
Blick von der Teufelsmühle nordwestwärts über Loffenau (vorne) und das vordere Murgtal mit Gaggenau (im Mittelgrund links) in Richtung Rheinebene. Im Hintergrund Nordvogesen und Pfälzerwald. Rechts markiert die freistehende Kuppe des Eichelbergs (533 m) den Übergang vom Murg- zum Rheintal.
Bei Gaggenau-Hörden ist die Murg bereits kanalisiert.
Die Mündung der Murg bei Steinmauern

Die Murg ist ein rechter Nebenfluss des Rheins in Baden-Württemberg.

Inhaltsverzeichnis

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Geographie [Bearbeiten]

Die Murg durchströmt eines der größten Täler des Schwarzwalds, das Murgtal im Westteil des Nordschwarzwalds, und fließt anschließend durch die Oberrheinische Tiefebene. Ihre Fließrichtung ist dabei meist Nord und Nordwest.

Der Fluss hat zahlreiche Quellbäche und wird erst ab der Vereinigung der Flüsse Rechtmurg und Rotmurg im Baiersbronner Teilort Obertal Murg genannt. Hauptquellfluss ist die Rechtmurg, die unterhalb des Schliffkopfs in 875 Metern Höhe ü. NN oder höher entspringt. Eine der zahlreichen Quellen wird auch Murgursprung genannt, jedoch haben die Quellflüsse je nach Niederschlagslage eine andere Länge. Auch die Rotmurg hat zahlreiche Quellbäche, der wichtigste entspringt unterhalb des Ruhesteins bei Baiersbronn. Das Einzugsgebiet der Murg umfasst 617 km²[2]. Der Wert von 79,267 Kilometern des Umweltministeriums Baden-Württemberg für die Fließlänge[3] ist aus oben genannten Gründen relativ zu sehen. Am Rheinkilometer 344,5 nahe Rastatt mündet die Murg in den Rhein.

Auf französischer Seite genau gegenüber befindet sich die Mündung der aus den Nordvogesen kommenden Sauer.

Naturräume [Bearbeiten]

Die Murg durchfließt von Süden nach Norden vier landschaftlich deutlich unterschiedliche Talräume.

Das obere Tal im Bereich der Gemeinde Baiersbronn ist ein typisches Schwarzwaldtal mit breiten Wiesengründen und einst vorwiegend landwirtschaftlich geprägten Dörfern.

Das mittlere Murgtal ist eine einsame, von Granitklippen durchsetzte Waldschlucht und weist mit bis zu 3,3 % ein hochgebirghaftes Gefälle auf. Die Murg war bis 1918 wegen ihrer Wasserwucht zusammen mit dem Nebenfluss Raumünzach ein berühmtes Wildwasser. Seitdem wird das hydroelektrische Potenzial des Flusses im Murgkraftwerk genutzt.

Das untere Murgtal ist, neben dem Wiesental, eine wichtige Industriegasse im Schwarzwald. Das Tal ist hier über 700 Meter tief, anfangs mit unwegsamer Schluchtsohle, die sich zunehmend aufweitet und einem Siedlungsband aus zahlreichen Dörfern und Städten Platz bietet. Historisches Zentrum ist Gernsbach unter anderem mit seiner Papier- und Pappeindustrie, größte Stadt ist Gaggenau mit traditionsreichem Kraftfahrzeugbau (u. a. Unimog). Der Fluss wird vielerorts von Gewerbekanälen begleitet und ist ab Gernsbach-Nord fast vollständig kanalisiert.

Bei Kuppenheim tritt die Murg in die Rheinebene heraus, wo sie das Stadtzentrum von Rastatt umfließt. Im späten 18. und frühen 19. Jahrhundert wurde der Murgverlauf im Rheintal begradigt. Unmittelbar vor der heutigen Mündung in den Rhein bei Steinmauern durchstößt der Flusskanal die Feuchtgebiete der Rastatter Rheinauen. Die Flussmündung wurde im Zuge der Rheinbegradigung durch Johann Gottfried Tulla ca. 1,5 Kilometer nach Nordwesten verlegt.

Verwaltungsgliederung [Bearbeiten]

Zwischen Baiersbronn-Schönmünzach und Forbach-Kirschbaumwasen verläuft die ehemalige Landesgrenze von Württemberg und Baden. Der obere, ehemals württembergische Talabschnitt gehört heute zum Landkreis Freudenstadt. Der untere, ab dem 12. Jahrhundert von den Ebersteinern besiedelte und später badische Abschnitt ist heute Teil des Landkreis Rastatt.

Mundart [Bearbeiten]

Im Murgtal treffen mehrere Dialektgebiete aufeinander. Die Gegend am Oberlauf, um das altwürttembergische Baiersbronn, bildet den westlichsten Zipfel des schwäbischen Mundartraumes. Die flussabwärts folgende alte Herrschaftgrenze zu Baden ist identisch mit der auch heute noch sehr starken Dialektgrenze zum Oberrheinalemannischen, das den Mittellauf der Murg beherrscht. Am Unterlauf der Murg findet sich ein alemannisch-fränkischer Übergangsdialekt mit zahlreichen südfränkischen Mundartmerkmalen.

Wirtschaft und Infrastruktur [Bearbeiten]

Verkehr [Bearbeiten]

Dem Tal folgen die Murgtalbahn und die Schwarzwald-Täler-Straße (Bundesstraße 462); beide zählen bautechnisch und landschaftlich zu den bemerkenswertesten Verkehrswegen in Deutschland.

Der schluchtartige Charakter des mittleren Murgtals stellte für die Entwicklung der Verkehrswege über Jahrhunderte ein großes Hindernis dar. Die erste Straße von Gernsbach ins obere Tal umging diesen Abschnitt: Der Alte Weinstraße genannte Handelsweg führte zunächst steil bergan und verlief entlang der Höhenzüge der östlichen Talflanke. Erst in der zweiten Hälfte des 18. Jahrhundert wurde eine durchgehende Straße im Talgrund gebaut.

Der Bau der Murgtalbahn wurde in Form voneinander unabhängiger Stichstrecken von Rastatt und Freudenstadt aus begonnen. Auf badischer Seite ging der erste Streckenabschnitt Rastatt–Gernsbach 1869 in Betrieb, Württemberg folgte 1901 mit der Strecke Freudenstadt–Klosterreichenbach. Nach mehreren Ausbauetappen wurde eine durchgehende Bahnverbindung erst 1928 hergestellt, also 60 Jahre nach Baubeginn und erst, als die jeweiligen Länderbahnen der Hoheit des Deutschen Reichs unterstellt waren.

Flößerei [Bearbeiten]

Bis ins 19. Jahrhundert war die Murg eine wichtige Handelsstraße für die Holz-Flößerei des Tals. Die Holzhändler und Sägewerksbesitzer im ebersteinischen (später badischen) Talabschnitt schlossen sich zur Handelsgesellschaft Murgschifferschaft zusammen, deren erste Satzung von 1488 stammt. Das im mittleren und unteren Murgtal geschlagene Holz wurde über die Murg bis Steinmauern geflößt, wo es getrocknet und zu größeren Flößen montiert wurde. Diese wurden von den Rhein-Flößern, welche auf diesem Abschnitt das Monopol hatten, auf dem Rhein bis Mannheim verbracht. In Mannheim wurden dann noch größere schwimmende Holzverbünde erstellt und teilweise bis in die Niederlande geflößt.

Im 18. Jahrhundert entwickelte sich durch die große Nachfrage aus den Niederlanden nach Langholz ein großer Boom des Holzhandels, der bis zum Ende des Jahrhunderts zu großen Kahlschlägen in den Waldungen führte. Anstatt der Murgschifferschaft, die auf Schnittholz spezialisiert und nicht kapitalkräftig genug für die Durchführung des großen Langholzgeschäfts war, übernahmen andere Holzkompagnien dieses Geschäft.

Der Holztransport wurde durch die Felsschlucht des mittleren Tales behindert; dieser Abschnitt konnte bis 1768 nicht durchgehend mit Flößen befahren werden. Bereits im frühen 18. Jahrhundert hatten württembergische Holzhandelsgesellschaften versucht, durch Felssprengungen im Flussbett eine Floßstraße zu schaffen, um die Stämme aus dem oberen Talabschnitt schneller an den Rhein und nach Holland zu bringen. Jedoch musste, auch wegen Differenzen mit dem in Gernsbach mitregierenden Hochstift Speyer, ein großer Teil des württembergischen Holzes bei Huzenbach etwa 200 Höhenmeter den Berg hinauf befördert werden, um es dann über die benachbarten Täler von Nagold und Enz zu verflößen. Dazu baute man 1755 einen Maschine genannten Aufzug. Mit einer Reihe per Menschenkraft bewegter Laufräder wurden die Baumstämme an Seilen in einer Holzrinne den steilen Berghang hinaufgezogen. Die anfällige Konstruktion wurde jedoch nach wenigen Jahren aufgegeben und der Transport wieder von Fuhrwerken übernommen[4].

Um die Stämme per Trift aus den Seitentälern in die Murg zu schwemmen, errichtete man in den Wäldern Dämme (Schwallungen) wie die Herrenwieser Schwallung und staute vorhandene Seen weiter auf.

Die Flößerei verlor nach dem Bau der Murgtalbahn an Bedeutung. 1896 fuhr das letzte Floß die Murg hinunter, seit 1913 ruhte die Flößerei und wurde 1923 auch offiziell untersagt.

Städte und Gemeinden entlang der Murg [Bearbeiten]

Von der Murgquelle bis zur Mündung in den Rhein:

Siehe auch [Bearbeiten]

Weitere Flüsse und Orte im alemannischen Sprachraum tragen den Namen Murg. Siehe die Begriffsklärungsseite Murg.

Literatur [Bearbeiten]

  • Markus Bittmann, Meinrad Bittmann: Das Murgtal: Geschichte einer Landschaft im Nordschwarzwald. Sonderveröffentlichung des Kreisarchivs Rastatt, Band 6. Casimir Katz Verlag, Gernsbach 2009, ISBN 978-3-938047-44-6.
  • Max Scheifele, Casimir Katz, Eckart Wolf: Die Murgschifferschaft. Geschichte des Floßhandels, des Waldes und der Holzindustrie im Murgtal. Schriftenreihe der Landesforstverwaltung Baden-Württemberg (Band 66). 2. Auflage. Casimir Katz Verlag, Gernsbach 1995, 521 S., ISBN 3-925825-20-7.

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