murgtaelertkc - Ortsgeschichte

 

Ortsgeschichte

Hirtenhaus um 1950
Hirtenhaus um 1950

Michelbach - in nordöstlicher Richtung etwa 3 km vom Stadtkern Gaggenaus entfernt, liegt das idyllische Fachwerkdorf Michelbach, dessen Ortsbild vornehmlich durch die zwischen 1750-1850 entstandene Bauernhausarchitektur geprägt ist.
Im Zuge der Kreisreform ist die damals 2265 Einwohner zählende Gemeinde am 1. Januar 1975 in die Große Kreisstadt Gaggenau eingemeindet worden.
Die Bewohner des Ortes können auf über 900 Jahre Geschichte zurückblicken. Dies haben sie dem Adligen mit Namen Werinhardus zu verdanken.
Werinhardus besaß Erbgüter in dieser Gegend, errichtete unrechtmäßig eine Burg namens Michilenbach auf dem Michelbacher Schlossberg und eignete sich ungeniert Landbesitz in seiner Nachbarschaft an. Kaiser Heinrich III. (1039-1056), ließ dieses Unrecht nicht gelten und bestand auf dem Abbruch der Burg und die Rückgabe der Ländereien an den rechtmäßigen Eigentümer, dem Domkapitel zu Speyer. Nach dem Tode Kaiser Heinrichs III. bauten Werinhards Söhne Werinhardus, Eberhardus und Cuno, der spätere Bischof von Straßburg (1100-1123), die Burg wieder auf und führten die Landbesitznahme im größeren Stile fort. Um diese Fehde endgültig zu beenden, kaufte der Sohn von Kaiser Heinrich III., Kaiser Heinrich IV. von den Brüdern den ererbten und illegal erworbenen Besitz auf und schenkte ihn einschließlich der Burg dem Domkapitel zu Speyer. In der Urkunde vom 15. Februar 1102 ließ Heinrich IV. den gesamten Verlauf der Zwistigkeiten festhalten.
Ausgrabungen auf dem Michelbacher Schlossberg im Jahre 1992 haben ergeben, dass es sich bei dieser Burg (Bau und Abbruch erfolgte zwischen 1050/56) um die älteste Adels- oder Höhenburg im süddeutschen Raum handelt.



Die heutige Bernsteinstraße um 1950
Die heutige Bernsteinstraße um 1950

Michelbach, im lieblichen Seitental des Michelbachs, am Fuße des Bernsteins gelegen, durchkreuzt eine wichtige Verbindungsstraße. Sie führt von der Kernstadt Gaggenau nach Freiolsheim-Moosbronn ins Moosalbtal. Bereits 1847 ist der Vizialweg (Bezirks-oder Gemeindeweg) von Michelbach nach Freiolsheim angelegt worden, 1853 der Hauptverbindungsweg von Gaggenau aus. Auf halber Strecke erinnert ein Gedenkstein aus dem Jahre 1882 an den damaligen Initiator Oberforstrat Emil Freiherr von Kageneck. Gelangt man auf dieser Straße, die 1993/95 letztmals vom Land Baden-Württemberg ausgebaut und durch einen heute stark frequentierten Radweg ergänzt worden ist nach Michelbach, sieht man von Weitem schon die liebevoll restaurierten, mit Blumen geschmückten Fachwerkhäuser. Sie haben bei Ortverschönerungswettbewerben schon zahlreiche Preise errungen. Ob an Kellerstürzen, Türbögen oder Eckpfosten, überall sind Jahreszahlen von 1703, 1767 oder 1803 zu entdecken. Am Lindenplatz, kurz nach dem Ortseingang, weist ein aufgestellter Obelisk von 1876 als „Orientierungsstock“ nochmals auf die möglichen Fahrtrichtungen (Gaggenau/Moosbronn) hin.



Den historischen Ortskern bilden der Lindenplatz, die kath. Kirche St. Michael mit dem 1753 erbauten Pfarrhaus, dem Messnerhaus und die umliegenden ältesten Gasthäuser. Dazu zählen das Gasthaus „Zum Engel“, das die Schildgerechtigtkeit bereits im Jahre 1722 erhielt, gefolgt vom Gasthaus „Zum Kreuz“ (1733) und „Zur Traube“ (1747).
Bei der kath. Kirche St. Michael, die in drei Bauetappen entstanden ist, stellt der spätmittelalterliche Turm, der vermutlich als Wehrturm (Gewölbe und Schartenfenster) errichtet wurde, das älteste vorhandene Baudenkmal dar. 1768/69, nach Plänen von Franz Ignaz Krohmer, ist sein polygonales Obergeschoss mit spitzen Turmdach anlässlich der Wiederherstellungsarbeiten am Langhaus und Chor geschaffen worden. 1934/36 erfolgt ein Erweiterungsbau. Die Verlängerung des Langhauses am Turm vorbei nach Osten, mit kurzem hohen Chor abgeschlossen und der Anbau des südlichen Seitenschiffes mit Sakristei.
Die Grundsteinlegung erfolgt am 27. Oktober 1935, die Bischöfliche Weihe fast 20 Jahre später am 02. Oktober 1955.
Am Ortsausgang Richtung Moosbronn befindet sich der Friedhof mit der am 8. Juli 1972 eingeweihten Aussegnungshalle.



Das Dorfmuseum (Otto-Hirth-Str. 6), von privater Seite erworben und vom Heimatverein Michelbach e.V. betreut, hat seine Räumlichkeiten in einem Fachwerkhaus aus dem Jahre 1792. Neben der Besichtigung handwerklicher, haus- und landwirtschaftlicher Geräte, Textilien, alter Fotos und Ausgrabungsfunden der wiederentdeckten Burganlage, werden an Stubenabenden Vorträge alter Bräuche, Wissenswertes der Umgebung oder Aktivitäten wie Buttern, Weben, Kochen nach alten Rezepten oder Brotbacken angeboten. Jeder Interessierte ist hierbei herzlich eingeladen.



Das Hirtenhaus - einst Wohnstätte für den Dorfhirten
Das Hirtenhaus - einst Wohnstätte für den Dorfhirten

Bachaufwärts bis zum Hirtenhaus verleihen die Mitte des 19. Jahrhunderts gebauten Sandsteinbogenbrücken mit Brüstungen dem Ortsbild eine besondere Note. Das Hirtenhaus, von der Gemeinde dem Dorfhirten und seiner Familie zur Verfügung gestellt - in späterer Zeit für arme Familien als Unterkunft genutzt - ist im Jahre 1999 als Schenkung eines Gaggenauer Architekten an den bereits 1993 gegründeten Förderverein Michelbacher Hirtenhaus e.V., übergegangen. Durch aufwendige Sanierungsarbeiten konnte das Hirtenhaus, dessen älteste Bauteile um 1700 stammen, erhalten werden.
Von den drei ehemaligen Mühlen, die heute zu Wohnzwecken genutzt werden, hat die zweitälteste, datiert auf 1766, im Jahre 1970 wieder ein rekonstruiertes Mühlrad erhalten.
Zahlreiche Veranstaltungen, nicht nur im Jubiläumsjahr 2002, begleiten die Bewohner und ihre Gäste das Jahr hindurch. Ein Fest besonderer Art ist das alle zwei Jahre im September stattfindende Michelbacher Dorffest. Vor stilechter Kulisse, mit einem abwechslungsreichen Programm und der entsprechenden Kleidung, wird den Festbesuchern das dörfliche Leben, sein Brauchtum und altes Handwerk nahegebracht.
Um Michelbach herum gibt es zahlreiche gut beschilderte Wanderwege und Lehrpfade, die nicht nur zur Baumblüte Sehenswertes und Erholung versprechen. Seit dem Landesjubiläum „50 Jahre Baden-Württemberg“ wird die Möglichkeit geboten, entlang der ehemaligen Landesgrenze Baden und Württemberg auf dem „Historischen Grenzweg“ zu wandern.



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